Sonntag, 28. Oktober 2012

Der Vereinswechsel - so wechseln die Profis



Im Fußball sind mittlerweile Spielertransfers und Wechselgerüchte für die Medien fast so interessant wie die Ergebnisse der Partien selbst. Sobald ein Jung- oder Altstar einen Vereinswechsel auch nur ins Auge fasst, überschlagen sich die Meldungen in den Sport News. Vor allem, wenn ein Transfer nicht reibungslos abläuft, oder die Klubs Unsummen für einen Spieler hinblättern, wird es für die Presse interessant. 

So war in den Bundesliga News vergangenen Sommer der Transfer von Javi Martinez von Athletic Bilbao zum FC Bayern München das Gesprächsthema Nummer eins. Dabei wurde vor allem ein Punkt im Vertrag des Spaniers zum Knackpunkt: Die festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro, von denen der Baskenverein nicht abweichen wollte. 

Andere Länder andere Sitten, bzw. andere Länder andere Wechselregularien. In Spanien hat mittlerweile jeder Spieler so einen Betrag in seinem Vertag stehen. Zum Teil mit unfassbaren Ausmaßen. Bei Cristiano Ronaldo soll es sich um einen Summe von einer Milliarde Euro handeln. Damit wollen die spanischen Vereine ihre Spieler halten und verhindern, dass sie vorzeitig von anderen Klubs abgeworben werden können. Außerdem wird so der Marktwert der Spieler künstlich hoch gehalten. So hat man oft das Gefühl, ein Spieler der einen Vereinswechsel zu Real Madrid vollzogen hat, ist damit automatisch auch mehr wert. Selbst, wenn er die ganze Saison auf der Bank sitzt.

Dabei gibt es bestimmte rechtliche Vorgaben die von der FIFA vorgeschrieben werden. Die wichtigste ist, dass ein Vereinswechsel eines Vertragsspielers nur innerhalb der vom jeweiligen Verband vorgegebenen Transferperioden vollzogen werden kann. Diese Zeiträume umfassen zwischen den Spielzeiten maximal zwölf Wochen und während der Saison vier Wochen. So haben sich innerhalb der UEFA weitestgehend die Transferfenster von 1. Juli bis 31. August in der Sommerpause sowie im Winter vom 1. bis 31. Januar etabliert.
Wenn ein Spieler vor dem Vertragsende den Verein wechseln möchte, muss der neue Arbeitgeber an den alten eine Ablösesumme als Ausgleichszahlung leisten. Dabei muss der Wechsel auf dem freien Willen des Spielers basieren, da sonst eine Behinderung der freien Wahl des Arbeitsplatzes gemäß dem EU-Recht vorliegt. 
Die heutigen Transferregularien beruhen auf dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 1995. Auslöser für die Entscheidung war eine Schadensersatzklage des belgischen Fußballprofis Jean-Marc Bosman, der durch die hoch angesetzte Ablösesumme seines Arbeitgebers RFC Lüttich, eine Einschränkung in seiner Arbeitnehmerfreizügigkeit sah.
Damals verbot der Gerichtshof, dass Vereine eine Zahlung einer Ablösesumme einfordern dürfen, nachdem der Vertrag mit dem Spieler abgelaufen ist. Im Zuge des Urteilspruchs wurden auch die Ausländerbeschränkungen, die in einigen Ländern vorherrschten soweit es um Spieler aus EU-Staaten geht, abgeschafft. Vorher durften die Vereine in Deutschland nur drei Ausländer in der Startelf haben.

Heutzutage sind Spieler weit mehr als reine Leistungsträger für die Vereine. Junge Talente können durchaus lukrative Geldanlagen für  die Klubs darstellen. Deshalb geht der Trend auch dahin, junge Spieler, die sich im eigenen Verein noch nicht durchsetzen konnten, an die Konkurrenz auszuleihen, um Spielpraxis zu sammeln. Damit hält sich der ursprüngliche Arbeitgeber die Option offen, das Talent, wenn es großartige Leistungen bringt, zurückzuholen oder teurer zu verkaufen. Diese Vorgehensweise wird auch angewandt, um zu testen, ob ein Spieler das geforderte Geld wert ist und zum Verein passt. So werden solche Leihgeschäfte- aber auch Transfers- oft an leistungsbezogene Bedingungen geknüpft.

Schon jetzt bereiten sich die Vereine in Europa auf die nächste Transferperiode ab 1. Januar 2013 vor. Grundsätzlich sind während der Saison die „Hammertransfers“ eher Mangelware, da Spieler, die im Europapokal bereits für ihren ehemaligen Club spielten, in der weiteren Saison international nicht mehr spielberechtigt sind.

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